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Schritt 3 von 5
3. Das eigene Profil und die eigene Geschichte formulieren
Die meisten Profile scheitern nicht daran, dass jemand zu wenig zu bieten hätte. Sie scheitern daran, dass sie klingen wie eine Stellenausschreibung. Das lässt sich in einer Stunde ändern.
Nach innen schreiben statt nach außen fordern
Es gibt zwei Arten, ein Profil zu schreiben. Die eine beschreibt, wen man sucht. Die andere beschreibt, wer man ist. Die erste ist viel häufiger und funktioniert viel schlechter.
Ein Forderungsprofil liest sich so: „Suche einen ehrlichen, humorvollen Mann mit Niveau, der weiß, was er will." Jeder Satz davon ist wahr, und keiner sagt etwas. Ehrlich, humorvoll und niveauvoll wollen alle sein; die Zeilen trennen niemanden von niemandem. Vor allem aber geben sie dem Leser nichts, woran er anknüpfen könnte. Auf eine Wunschliste kann man nicht antworten, man kann sich ihr nur unterwerfen oder weiterblättern.
Ein Innenprofil liest sich so: „Am Sonntag früh bin ich meistens im Garten, und zwar vor dem Kaffee. Ich höre dabei Nachrichten und ärgere mich zuverlässig. Abends lese ich, oft zwei Bücher gleichzeitig, und ich bringe keines davon zu Ende."
Der Unterschied ist nicht literarisch, er ist praktisch. Der zweite Text enthält fünf Türen, durch die jemand hereinkommen kann: Garten, Kaffee vor allem anderen, Nachrichten, Lesen, angefangene Bücher. Der erste enthält keine.
Eine gute Faustregel: Ein Sonntag sagt mehr als drei Eigenschaftswörter. Schreib einen konkreten Tag, keine Zusammenfassung deines Charakters.
Beschreib nicht, wen du suchst. Beschreib, wo du bist, wenn er dich findet.
Der eine unbequeme Satz, der drei Wochen spart
In jedem Leben gibt es eine Sache, die man lieber erst im vierten Gespräch erwähnen würde. Die pflegebedürftige Mutter. Die Hunde, die nicht abgegeben werden. Der Plan, in zwei Jahren wegzuziehen. Das Rauchen. Die Tatsache, dass man nach zwei gescheiterten Ehen nicht wieder zusammenziehen möchte.
Der Reflex, das erst einmal wegzulassen, ist verständlich. Er kostet aber genau die Zeit, die man sparen wollte. Denn dieser Satz verschwindet nicht — er wartet. Und je länger er wartet, desto mehr Gewicht bekommt er. Was in Zeile drei eine Angabe gewesen wäre, wird im vierten Gespräch eine Enthüllung.
Schreib ihn hin. Einen Satz, ohne Entschuldigung und ohne Erklärung. „Meine Mutter wohnt bei mir, und das bleibt so." Fertig. Keine Rechtfertigung dahinter, denn eine Rechtfertigung macht aus einer Tatsache ein Problem.
Was dann passiert, ist unangenehm und gut: Ein Teil der Leute meldet sich nicht. Das sind genau die, mit denen es im fünften Gespräch geendet hätte — nur hättest du bis dahin fünf Abende investiert. Und die, die sich trotzdem melden, melden sich in Kenntnis der Lage. Das ist ein anderer Start.
Nebenbei tut dieser Satz noch etwas: Er beweist, dass du sagst, wie es ist. Das ist die glaubwürdigste Eigenschaft, die ein Profil transportieren kann, und man kann sie nicht behaupten — nur vorführen.
Fotos: warum das zweitbeste Foto oft das bessere ist
Es gibt fast immer ein Lieblingsfoto. Gutes Licht, guter Tag, jemand hat im richtigen Moment ausgelöst. Und es gibt das zweitbeste — etwas schiefer, etwas unvorteilhafter, aber man erkennt, was für ein Mensch da steht.
Nimm das zweitbeste. Nicht aus Bescheidenheit, sondern weil es besser arbeitet.
Der erste Grund ist das Wiedersehen. Wer beim Treffen jemand anderen vorfindet als auf dem Bild, ist in der ersten Minute enttäuscht — und diese erste Minute trägt den ganzen Abend. Das gilt nicht nur für aufgehübschte Fotos, es gilt auch für Bilder, die zehn Jahre alt sind. Ein aktuelles Foto, das dich zeigt, wie du morgen an der Tür stehst, ist die freundlichste Vorbereitung, die du treffen kannst.
Der zweite Grund ist Nähe. Ein perfekt ausgeleuchtetes Portrait sieht aus wie Werbung, und Werbung lädt niemanden ein. Ein Bild, auf dem du lachst, weil jemand hinter der Kamera etwas Dummes gesagt hat, lädt ein.
Drei praktische Punkte. Erstens: Gesicht sichtbar, keine Sonnenbrille, kein Hut, der halb verdeckt. Zweitens: zwei bis vier Bilder reichen, davon eines in ganzer Gestalt — nicht weil der Körper zur Bewertung steht, sondern weil Unklarheit später Enttäuschung erzeugt. Drittens: kein Foto mit Ex-Partner, auch nicht abgeschnitten; man sieht den fremden Arm immer.
Und eine Warnung, die zu Modul 5 gehört und schon hier hinpasst: Lade kein Bild hoch, das du nicht auch an einen Fremden schicken würdest. Auf einer Plattform, die Bilder schützt, ist das Risiko klein — aber es ist nie null.
Das beste Foto verkauft eine Person. Das zweitbeste stellt dich vor.
Zum Schluss
Wenn du jetzt einen konkreten Sonntag, einen unbequemen Satz und ein ehrliches Foto hast, ist dein Profil fertiger als neun von zehn anderen.
Im nächsten Modul geht es um das, was danach kommt: die erste Nachricht, das erste Telefonat und das erste Treffen.
Als Nächstes: Kontakte anbahnen, ohne sich zu verbiegen
Du bist gerade nicht angemeldet. Lesen kannst du trotzdem alles — nur merken können wir uns nicht, wie weit du gekommen bist.