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Schritt 4 von 5
4. Kontakte anbahnen, ohne sich zu verbiegen
Der Weg vom ersten Satz bis zum ersten Kaffee ist kurz und wird trotzdem oft falsch gegangen. Meistens nicht aus Ungeschick, sondern weil niemand je gesagt hat, wie er üblicherweise aussieht.
Frag nach dem, was dasteht — nicht nach dem, was fehlt
Die häufigste erste Nachricht ist „Hallo, wie geht es dir?" Sie ist höflich, harmlos und unbeantwortbar. Die zweithäufigste ist ein Kompliment zum Aussehen. Sie ist ebenfalls unbeantwortbar, weil darauf nur „danke" folgen kann.
Die erste Nachricht hat genau eine Aufgabe: Sie muss leicht zu beantworten sein. Das ist alles. Sie muss nicht witzig sein, nicht klug und nicht besonders.
Am leichtesten zu beantworten ist eine Frage zu etwas, das im Profil steht. „Zwei Bücher gleichzeitig — welche gerade?" Dieser Satz hat drei Vorteile: Er zeigt, dass du gelesen hast. Er verlangt keine Selbstdarstellung. Und die Antwort schreibt sich in zehn Sekunden.
Was du weglassen kannst: die Vorstellung deiner Lebenslage, die Aufzählung deiner Eigenschaften, jede Form von „eigentlich bin ich gar nicht der Typ für sowas". Das kommt später von selbst, und es kommt besser.
Und dann die schwerste Uebung: schicken und weglegen. Nicht nach zwei Stunden nachsehen, ob gelesen wurde. Diese Portale sind darauf gebaut, dass du nachsiehst. Du musst nicht mitspielen.
Wenn der Austausch läuft, wechsle früh vom Schreiben zum Sprechen — nach ungefähr einer Woche, nicht nach sechs. Schreiben ist ein wunderbares Medium, um sich jemanden auszudenken, der so gar nicht existiert. Ein zwanzigminütiges Telefonat klärt mehr als zweihundert Nachrichten.
Eine gute erste Nachricht ist nicht die klugste. Es ist die, auf die man am leichtesten antwortet.
Ein Nein ist eine Antwort, keine Verhandlungsposition
Es wird Absagen geben. Es wird Schweigen geben, was dasselbe ist, nur unhöflicher. Beides hat fast nie mit dir zu tun, und das ist keine Trostformel, sondern eine Beschreibung: Du weißt nicht, was auf der anderen Seite gerade los ist. Vielleicht eine kranke Schwester. Vielleicht jemand anderes. Vielleicht einfach kein Gefühl.
Die Regel, und sie ist einfach: einmal fragen, nicht zweimal. Kein „hast du meine Nachricht gesehen", kein Nachfassen mit anderen Worten, keine Erklärung, warum ihr gut zusammenpassen würdet. Wer überzeugt werden muss, ist nicht überzeugt.
Das gilt in beide Richtungen, und die Rückrichtung ist die wichtigere. Du darfst absagen. Ohne Begründung, ohne Ausrede mit dem vollen Terminkalender. „Ich habe darüber nachgedacht und möchte es nicht weiterverfolgen. Alles Gute." Das ist freundlicher als jedes langsame Verstummen.
Ein Nein früh und klar ist eine Höflichkeit. Ein Nein, das man als Schweigen tarnt, lässt den anderen drei Wochen warten — und das ist die Sorte Umgang, wegen der Menschen mit alldem aufhören.
Und wenn ein Nein nicht angenommen wird: Das ist kein Werben mehr, das ist Grenzüberschreitung. Blockieren, melden, fertig. Du schuldest niemandem eine Begründung für deine eigene Entscheidung, und du schuldest schon gar keine zweite.
Das erste Treffen: öffentlich, kurz, eigene Anreise
Drei Regeln, und sie sind keine Überängstlichkeit, sondern einfach ein guter Aufbau. Sie machen das Treffen für beide leichter.
Oeffentlich. Cafe, Museum, Spaziergang an einem belebten Ort. Nicht bei dir, nicht bei ihm, nicht im Auto. Das hat einen Sicherheitsgrund — und einen freundlicheren: An einem öffentlichen Ort darf man gehen, ohne dass es eine Szene wird. Diese Freiheit spürt man, und sie macht entspannter.
Kurz. Verabrede von vornherein eine Stunde und sag auch, dass du danach etwas vorhast. Das ist keine Ausrede, das ist eine Bremse gegen den häufigsten Fehler: aus Höflichkeit vier Stunden zu bleiben, obwohl nach zwanzig Minuten klar war, dass es nichts wird. Und wenn es doch passt, ist eine Stunde, die verlängert wird, der schönste Verlauf, den ein erstes Treffen nehmen kann.
Eigene Anreise. Eigenes Auto, eigene Fahrkarte, eigener Rückweg. Lass dich beim ersten Mal nicht abholen und nicht heimbringen — nicht, weil dein Gegenüber verdächtig wäre, sondern weil du sonst von seiner Zeitplanung abhängst. Wer nicht weg kann, wann er will, ist nicht frei in seiner Entscheidung.
Dazu zwei Dinge, die nichts kosten: Sag einem Menschen, wo du bist und mit wem. Und behalte dein Getränk im Blick. Das ist in neunundneunzig von hundert Fällen überflüssig. Es ist die Sorte Maßnahme, die man trotzdem trifft.
Ueber das Bezahlen muss niemand streiten: Jeder zahlt beim ersten Mal, was er bestellt hat. Das ist die Variante ohne Schuldgefühl auf beiden Seiten.
Oeffentlich, eine Stunde, eigene Anreise. Danach darf alles anders sein — aber nicht beim ersten Mal.
Zum Schluss
Damit hast du den ganzen Weg: ein leicht zu beantwortender Satz, ein früher Anruf, ein kurzes Treffen an einem offenen Ort — und die Erlaubnis, jederzeit Nein zu sagen und Nein zu hören.
Bleibt ein Modul, und es ist das wichtigste. Auch wenn du hier nie ein Profil anlegst: Lies es.
Als Nächstes: Sicherheit: Betrugsmaschen erkennen
Du bist gerade nicht angemeldet. Lesen kannst du trotzdem alles — nur merken können wir uns nicht, wie weit du gekommen bist.